Virologen geben Entwarnung: keine spezifische Ansteckungsgefahr in öffentlichen Bädern

Chlor und Hitze sind natürliche Feinde von Viren

Die vielen Schlagzeilen rund um das Thema Corona-Virus führt auch zu einer Verunsicherung von Besuchern öffentlicher Bäder und Saunaanlagen. Fachärzte geben nun Entwarnung. Es gibt keine spezifische Infektionsgefahr in Bädern, im Gegenteil: Chlor und Hitze sind natürliche Feinde von Viren. Im Beckenwasser haben diese daher keine Überlebenschance.

Nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung vom 6. März sieht Dr. Katja Rothfuß, Oberärztin und Koordinatorin der Sonderisoliereinheit im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus in Schwimmbädern „keine Orte erhöhten Infektionsrisikos mit dem Coronavirus“. Durch die Chlorierung des Beckenwassers sterben Viren ab, ergänzt Matthias Trautmann vom Klinikum Stuttgart in dem Bericht. Zudem sei „die Verdünnung von wenigen Viren durch mehr als tausend Liter Schwimmbeckenwasser so hoch, dass eine Ansteckung nicht möglich ist“. Trautmann, der das Institut für Krankenhaushygiene leitet, rät im Gegenteil sogar, aus Gesundheitsgründen weiterhin regelmäßig schwimmen zu gehen. Wichtig sei lediglich, die allgemein gütigen Hygieneregeln (gründlich duschen und nach dem Toilettengang stets die Hände waschen) zu befolgen.

Auch der als „Fernseharzt“ bekannte Mediziner Dr. Christoph Specht, der als spezialisierter Tropen- und Reisemediziner ein Experte für Infektionskrankheiten ist und seit 2005 regelmäßig humanitäre Einsätze bei der Bekämpfung von HIV und Tuberkulose in Afrika leistet, sieht in einem Blog-Beitrag für die Therme Erding klare Worte: „Eine Ansteckung bzw. Übertragung über das Wasser schließe ich komplett aus“.

Das Schwimmbad an sich sei kein spezifischer Ansteckungsort mit einem höheren Risiko, so Dr. Specht: „Anstecken können wir uns überall da, wo viele Menschen zusammenkommen und dichter beieinanderstehen. Dies gilt erst recht in öffentlichen Verkehrsmitteln, in denen die mögliche Übertragung der Viren bzw. das Infektionsrisiko durch den relativ engen Kontakt zu den Mitmenschen durchaus wahrscheinlicher ist. Im Schwimmbad besteht dahingehend kein spezifisches Infektionsrisiko. Die Fahrt im Bus zum Thermalbad ist mit Sicherheit mit einem höheren Ansteckungsrisiko verbunden, als der Besuch in einem Thermalbad selbst. Insbesondere kommt bei einem Thermalbad noch die Temperatur hinzu. Wir wissen, dass die Coronaviren, wie alle anderen üblichen Erkältungsviren auch, die Kälte lieben und die Wärme nicht gut vertragen.“

Bei Einhalten der allgemein geltenden Hygieneregeln ist daher der Besuch eines Freizeitbades oder einer Therme nach Meinung der Fachärzte mit keinem erhöhten Risiko verbunden; im Gegenteil: Sie empfehlen sogar regelmäßiges Schwimmen und Saunabaden, da dieses sogar die Abwehrkräfte stärkt und Erkältungskrankheiten und anderen Infektionskrankheiten vorbeugen kann.

Nürnberg, den 07. 03. 2020