Positionspapier der EWA zur Anhörung im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags: Erhebliche regionalwirtschaftliche Bedeutung der Freizeitbäder und Thermen!

Der Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags plant am 06.05.2026 eine Anhörung zum Thema „Freizeitwirtschaft“ zur Beantwortung folgender Leit-Fragen:

  • Welche Rolle spielen Freizeiteinrichtungen für einen eher ländlich geprägten Raum?
  • Welche Potenziale liegen darin für Tourismus und Standortentwicklung?
  • Welche Rahmenbedingungen sind dabei relevant?

Die European Waterpark Association e.V. hat für diese Anhörung in einem Positionspapier auf die Bedeutung der deutschen Freizeitbäder und Thermen für die ländlichen Regionen und auf deren regionalwirtschaftliche Effekte hingewiesen. Nachfolgend unsere Stellungnahme:

Ausgangssituation

Die European Waterpark Association e.V. (EWA) wurde 1989 in Deutschland gegründet und vertritt die Interessen der europäischen Freizeitbäder und Thermen, schwerpunktmäßig in den D-A-CH-Staaten und Luxemburg.

Das Gros der deutschen Freizeitbäder und Thermen, von denen ca. 480 Anlagen unterschiedlicher Größe und Besucherstärke existieren (von ca. 200.000 Gästen pro Jahr bis ca. 1,9 Millionen Besucherinnen und Besuchern), befindet sich nicht in den Großstädten, sondern im ländlichen Raum und dort in Unter-, Mittel- und Oberzentren. Betrieben werden diese Bäder von kommunalen Unternehmen und privaten Betreibern gleichermaßen.

Welche Rolle spielen Freizeiteinrichtungen für einen eher ländlich geprägten Raum?

Freizeitbäder haben erhebliche positive regionalwirtschaftliche Effekte, da sie nicht nur als soziale Infrastruktur und Sportstätten dienen, sondern auch als touristische Attraktionen Kaufkraft in eine Region ziehen. Obwohl sie für öffentliche Träger oft hohe Betriebskostenzuschüsse erfordern, generieren sie durch Ausgaben der Besucher einen “wirtschaftlichen Fußabdruck“ durch regionale Primär- und Sekundäreffekte.

Direkte Effekte entstehen etwa

  • durch die Ausgaben der Gäste in den Anlagen und im regionalen Einzelhandel und Gastgewerbe,
  • durch die direkte Beauftragung regionaler Lieferanten und Dienstleister von Freizeitbädern und Thermen,
  • durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Freizeitbädern und Thermen.

Indirekte Effekte ergeben sich aus den

  • Ausgaben der Beschäftigten in den Freizeitbädern und Thermen (Lebenshaltung, Mieten etc.),
  • Ausgaben der Beschäftigten bei den regionalen Dienstleistern und Zulieferern.

Welche Potenziale liegen darin für Tourismus und Standortentwicklung?

Die Potenziale der Freizeitbäder und Thermen für den inländischen Tourismus und die deutsche Freizeitwirtschaft sind erheblich und werden aktuell durch die steigenden Kosten für Fernreisen und die Verunsicherung durch die politische und Sicherheits-Lage in ausländischen touristischen Destinationen noch gesteigert.

Während der COVID19-Pandemie haben die Gäste der deutschen Freizeitbäder und Thermen den gesundheitlichen Wert dieser Anlagen zu schätzen gelernt. In den vergangenen Jahren konnten sie entsprechende Zuwächse bei den Gästezahlen verbuchen. 2025 verzeichneten 67% der von der EWA befragten Freizeitbäder und Thermen in Deutschland gegenüber 2024 stabile (11%) bzw. sogar leicht bis stark gewachsene Gästezahlen (56%). Hotels, die direkt mit Freizeitbädern und Thermen verbunden sind, verzeichneten Auslastungsquoten von deutlich über 90%. Gerade diese Resorts generieren einen eigene Nachfrage im Gesundheitstourismus. Freizeitbäder und Thermen sind daher längst nicht mehr nur Schlechtwetteralternativen in touristischen Destinationen mit ausgeprägten Outdoor-Aktivitäten, sondern sind Ziele einer eigenständigen touristischen Nachfrage.

Welche Rahmenbedingungen sind dabei relevant?

Die wesentlichen Herausforderungen der deutschen Freizeitbäder und Thermen sind:

  • Ein genereller Sanierungsstau vor allem bei den von der öffentlichen Hand betriebenen Anlagen, die häufig in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts errichtet wurden und eigentlich bereits das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben.
  • Die Energiepreisentwicklung und nicht ausreichende Zuschüsse für Investitionsmaßnahmen mit dem Ziel eines ökologischen Umbaus der Energieversorgung der Freizeitbäder und Thermen mit regenerativen Energiequellen.
  • Der Fach- und generelle Arbeitskräftemangel nicht zuletzt aufgrund der wenig attraktiven Arbeitszeiten (Schicht- und Wochenendarbeit).
  • Eine zunehmende Bürokratisierung des täglichen Betriebs durch teils überzogene Anforderungen etwa im Energie-Audit

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