EWA antwortet Verfasserin der Aerosol-Studie: Methodische Mängel umgehend korrigieren!

Derzeit kursiert in den Medien und auch bei den politischen Entscheidungsträgern eine Studie des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin zur Infektionsgefahr in öffentlichen Räumen (“Covid-19 Ansteckung über Aerosolpartikel. Vergleichende Bewertung von Innenräumen hinsichtlich des situationsbedingten R-Wertes”).

Nachdem wir – gemeinsam mit weiteren Verbänden und Experten – die beiden Verfasser der Studie Dipl. Ing. Anne Hartmann und Prof. Dr. Martin Kriegel auf methodische Mängel der Untersuchung aufmerksam gemacht haben, wurde die Studie in einer zweiten Version nun dahingehend korrigiert, dass neben einer angenommenen 100%igen Auslastung von Schwimmhallen auch eine 50%ige Auslastung betrachtet wurde. Bei dieser Annahme, die einem Bäderbetrieb unter den aktuellen Hygieneregeln entspricht, reduziert sich der Risikofaktor von 2,3 auf 1,1 (gegenüber dem Referenzwert 1).

Wir sind allerdings nach wie vor der Auffassung, dass selbst dieser Wert noch zu hoch ist, da die Studie davon ausging, dass in dem Schwimmhallen sportliches Schwimmen auf dem Niveau einer “schweren körperlichen Tätigkeit” stattfindet, was jedoch nur bei wirklichem Trainingsbetrieb (auf Leistungssportniveau) der Fall ist, aber nicht dem generellen Besucherverhalten – vor allem nicht in Freizeitbädern und Thermen – entspricht.

Zudem hat die Studie nicht ausreichend berücksichtigt, dass die in Schwimm- und Badehallen eingebauten Raumlufttechnischen Anlagen eine vertikale Luftströmung fördern, was hinsichtlich einer Verbreitung von Aerosolen völlig andere (und vor allem deutlich bessere) Ergebnisse zeigt als die in der Studie zum Vergleich herangezogenen anderen öffentlichen Räume (z.B. Gaststätten), die einen wesentlich geringeren Zuluftstrom pro Gast und Stunde und vor allem eine wesentlich diffusere Verteilung der Luftströme aufweisen. In einem Schreiben an die Verfasser fordern wir diese daher eindringlich auf, die Studie zu korrigieren, um weiteren Schaden von der Bäderbranche abzuwenden:

Sehr geehrte Frau Hartmann,

Ich darf Sie eindringlich bitten, in Ihrer Studie nicht auf „Schwimmhallen“, sondern auf „Sportschwimmhallen“ zu verweisen. Sonst entsteht ein generalisierender Eindruck, der der tatsächlich sehr unterschiedlichen Situation in den verschiedenen Bädertypen nicht gerecht wird. Für unsere Branche hat dies fatale wirtschaftliche Folgen. Ihre Studie wird, wie wir inzwischen mehrfach erfahren mussten, in der Politik so wahrgenommen, dass das Urteil über Anlagen, in denen sportliches Schwimmen auf der Belastungsstufe „schwere körperliche Tätigkeit“ praktiziert wird, generell auf alle Indoor-Bäder angewandt wird.

Dadurch entsteht vielen Bädern ein großer finanzieller Schaden, weil deren Inbetriebnahme aufgrund Ihres Urteils in weite Ferne gerückt ist. Auch die nun erfolgte partielle Korrektur, indem Sie die Variante mit einer 50prozentigen Belegung aufgenommen haben, ändert daran nichts.

Nach wie vor bin ich der Auffassung, dass Ihre Studie zumindest hinsichtlich der nicht ausreichend differenzierten Betrachtung der Bäder methodische Mängel aufweist, die das Ergebnis willkürlich erscheinen lassen.

Auf das völlig unterschiedliche Besucherverhalten habe ich in einer Mail an Sie bereits hingewiesen und Ihnen hierzu auch einen Auszug aus einer Untersuchung der HTW Chur für die D-A-CH-Länder übersandt. Diese Untersuchung aus dem Jahr 2007 kam zu dem Ergebnis, dass ist lediglich für 4,9 bis 7,1 % der jeweiligen Altersgruppe das Thema Sport auslösendes Moment für den Besuch eines Freizeitbades bzw. einer Therme ist. Dies entspricht auch unserer Betriebserfahrung, nach der lediglich 4 bis 6 % der Besucher eines Freizeitbades oder einer Therme bei ihrem Badbesuch (sportliches) Bahnenschwimmen betreiben – und dann auch nicht unter Leistungssport-Gesichtspunkten, sondern eher zur allgemeinen körperlichen Ertüchtigung. Das Gros der Besucher (ca. 95 %) verhält sich im und am Wasser eher passiv und sucht Ruhe und Erholung.

Eindringlich möchte ich auch noch einmal darauf verweisen, dass es hinsichtlich der Verbreitung von Aerosolen nach übereinstimmender Expert*innen-Meinung auch entscheidend darauf ankommt, ob die Luftströme in horizontaler oder in vertikaler Richtung erfolgen. Letzteres ist in den Hallenbädern die Regel. Hierzu möchte ich Sie gerne auf die aktuelle März-Ausgabe des Archivs des Badewesens der Deutschen Gesellschaft für das Badewesens verweisen, in der das Thema ausführlich beleuchtet wird.

Sie schreiben mir in einer Mail, dass Sie aktuell keine Kapazität haben, die unterschiedlichen Randbedingungen in den verschiedenen Bädertypen zu betrachten. Wäre ich der Verfasser der Studie, würde ich alles daran geben, den Eindruck einer wissenschaftlich nicht korrekten Vorgehensweise umgehend zu korrigieren.

Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Haltung diesbezüglich noch einmal überdenken. Gerne sind wir bereit, Sie bei Ihren weiteren Recherchen zu unterstützen, möchte gleichzeitig aber Sie und Herrn Prof. Dr. Kriegel bitten, umgehend eine Präzisierung dahingehend vorzunehmen, dass Ihre Einschätzung sich lediglich auf Sportschwimmhallen bezieht, in welchen sportliches Schwimmen der Leistungsstufe „schwere körperliche Tätigkeit“ praktiziert wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Dr. Klaus Batz
Geschäftsführer